Abermals krähte der Hahn. Eine kritische Kirchengeschichte by Karlheinz Deschner

By Karlheinz Deschner

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Warum blieb die so herrlich ausgemalte Zukunft aus? In vielen Dokumenten mahnt man die Gläubigen stets aufs neue zur Geduld, beschwichtigt man aufsteigenden Zweifel, Zwist, bekämpft Spott und enttäuschte Erwartungen 70. Immer und immer wieder verspricht man: das Ende ist ganz nahe, bald kommt der Herr! Goethe hat diesen Glauben im Fragment vom Ewigen Juden ironisiert: »Die Priester schrien weit und breit: Es ist, es kommt die letzte Zeit, Bekehr dich, sündiges Geschlecht. « Als die Krisis sich verschärfte, als immer mehr Zweifel auftauchten und die Unzufriedenheit der Christen stieg, als sie der kirchlichen Sprüche müde wurden und sagten: »Dies haben wir auch schon in den Tagen unsrer Väter gehört, und siehe, wir sind alt geworden, und nichts von all dem ist uns widerfahren« 71, oder: »Wo ist denn seine verheißene Wiederkunft?

10. Ja, er bekennt, daß es nur darauf ankomme, Christus zu verkünden – »mit oder ohne Hintergedanken« 11. Beansprucht Paulus die Hintergedanken hier auch nicht für sich, beteuert er vielmehr immer wieder die eigene Lauterkeit 12, stimmt doch manches in seinen Briefen bedenklich 13; wenn auch konservative Gelehrte das herkömmliche Bild des Apostels als eines Polemikers, der es mit der Wahrheit nicht genau nehme, für falsch erklären, weil es »nicht anziehend« sei 14. Viel energischer trat Kirchenlehrer Johannes Chrysostomos (= Goldmund), der Patron der Prediger, für die Notwendigkeit der Lüge zum Zwecke des Seelenheils ein, wobei er sogar auf Beispiele des Alten und Neuen Testaments hinwies 15.

5. KAPITEL Das Johannesevangelium »… eine gänzlich ungeschichtliche Lehrschrift«. Heinrich Ackermann 1. Daß sich dieses Evangelium von den drei synoptischen Evangelien prinzipiell unterscheidet und ein ganz anderes Jesusbild entwirft, wurde schon im 2. Jahrhundert von den Alogern erkannt 2. Daß es im Sinne einer bestimmten dogmatischen Idee ohne Rücksicht auf die geschichtliche Wirklichkeit gedichtet worden und rein allegorisch aufzufassen ist, haben im 19. Jahrhundert die Theologen David Friedrich Strauß und besonders Ferdinand Christian Baur glänzend erwiesen 3.

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